Offene Werkstatt

Öffentliche Vortragsreihe »FASZINATION TECHNIK«

Öffentliche Vortragsreihe / 8.11.2018, 17:00 Uhr am Fraunhofer IIS

Sehr geehrte Damen und Herren,

der »Campus der Sinne« stellt sich der Herausforderung, menschliche Wahrnehmungsprozesse zu digitalisieren und Sinnesempfindungen aus der realen in die virtuelle Welt zu übertragen und auszuwerten. Vom »Internet der Dinge« zum »Internet der Sinne«, das ist die Vision, die die Forscher antreibt. Der »Campus der Sinne« ist eine gemeinsame Initiative des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV und des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS unter Einbeziehung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) als universitärer Partner.

In unserer Vortragsreihe »Faszination Technik« bringen Ihnen Experten anhand von drei Vorträgen die Themen des »Campus der Sinne« näher und in der Podiumsdiskussion »Offene Werkstatt – Technische Disziplinen und Geisteswissenschaften im Dialog« erwarten wir eine spannende Expertendiskussion über die Visionen, Möglichkeiten, aber auch Risiken dieser zukunftsweisenden Entwicklung. Begleitend zur »Offenen Werkstatt« wird es eine kleine Ausstellung mit aktuellen Forschungsergebnissen geben.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Prof. Dr.-Ing. Albert Heuberger
Institutsleiter Fraunhofer IIS

Prof. Dr.-Ing. Reinhard Lerch
Dekan der Technischen Fakultät
 

Kontakt:
Veranstaltungsorganisation
Susanne Ruhland
Telefon +49 9131 776-2020
Fax +49 9131 776-1649
events@iis.fraunhofer.de
 

Die Termine im Einzelnen

17:00 Uhr
OFFENE WERKSTATT

Technische Disziplinen und Geisteswissenschaften im Dialog
 

Campus der Sinne

Die nächste Evolutionsstufe vernetzter intelligenter Systeme – wie das Internet lernt, emotional zu werden.

17:00 Uhr Eröffnung

Prof. Dr.-Ing. Albert Heuberger, Institutsleiter des Fraunhofer IIS
Prof. Dr.-Ing. Reinhard Lerch, Dekan der Technischen Fakultät de Friedricht-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) 

 

17:10 Uhr Einführungsvortrag: »Die Zukunft mit allen Sinnen begreifen«

Dr. Andreas Gundelwein, Deutsches Museum 

 

17:45 Uhr Statements der Expertenrunde

Prof. Dr. Andrea Büttner, Director Campus der Sinne, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) / Fraunhofer IVV
Prof. Dr.-Ing. Albert Heuberger, Institutsleiter des Fraunhofer IIS
Prof. Dr.-Ing. Joachim Hornegger, Präsident der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)
Dr. Rudolf Kötter, Zentralinstitut für Wissenschaftsreflexion und Schlüsselqualifikationen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)
PD Dr. techn. habil. Stefan J. Rupitsch, Lehrstuhl für Sensorik, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) 

 

19:00 Uhr Imbiss 

Podiumsteilnehmer

Dr. Andreas Gundelwein

»Die Zukunft mit allen Sinnen begreifen – das bedeutet kein unüberschaubares multimediales Angebot gemäß moderner Konsumgewohnheiten, sondern ein abgestuftes Auswahlmenü für unterschiedliche Zielgruppen mit unterschiedlichen Tempi.«

Dr. Andreas Gundelwein studierte Ur- und Frühgeschichte, Bodenkunde und Geologie an den Universitäten Hamburg und Freiburg / Brsg. und promovierte nachfolgend im Fachbereich Geowissenschaften an der Universität Hamburg. Nachfolgend engagierte er sich in verschiedenen Ausstellungsvorhaben und Projekten der Wissenschaftsvermittlung zu Bergbau-, Umweltund Wissenschaftsthemen. Seit 2014 ist er Mitglied der Museumsleitung des Deutschen Museums München und dort für den Bereich Ausstellungen und Sammlungen zuständig.

Prof. Dr.-Ing. Albert Heuberger

»Haptik und Gerüche sind beispielsweise im Internet noch nicht greifbar. Mit dem Campus der Sinne wollen wir neue Möglichkeiten schaffen, um solche Eindrücke transportieren und lokal präsent haben zu können.«

Prof. Dr.-Ing. Albert Heuberger studierte Elektrotechnik an der FAU, wo er mit dem Thema »Untersuchungen zur Versorgungsqualität im mobilen Kanal in digitalen Satellitenrundfunksystemen « promovierte. Ab 1987 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IIS, seit 2011 ist er geschäftsführender Institutsleiter. Seine Forschungsschwerpunkte sind Internet-of-Things-Kommunikation, Lokalisierung und kognitive Sensorik. Prof. Heuberger ist zudem Inhaber des Lehrstuhls für Informationstechnik an der FAU.

Dr. Rudolf Kötter

»Sinnliche Erfahrung ist immer gegenwartsbezogen. Zukünftiges muss also real simuliert werden, um Sinneseindrücke zu vermitteln, die aber selbst dann nur sekundäre Qualität besitzen.«

 

Dr. Rudolf Kötter, Zentralinstitut für Wissenschaftsreflexion und Schlüsselqualifikationen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)
 

Prof. Dr. Andrea Büttner

»Ich finde am spannendsten, dass die Forschung mir hilft, mich selbst als Mensch besser zu verstehen und mir viele Phänomene des Menschen erst dadurch aufgezeigt werden, wenn wir versuchen, diese in Maschinen zu übersetzen.«

Prof. Dr. rer. nat. Andrea Büttner studierte Lebensmittelchemie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und promovierte und habilitierte an der Technischen Universität München (TUM) im Bereich der Aromaforschung. Seit 2007 etablierte sie am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV die Abteilung Analytische Sensorik, deren Leiterin sie wurde. Parallel etablierte und leitete sie die Arbeitsgruppe Aromaforschung an der FAU, wo sie 2012 auf die W2-Professur für Aromaforschung und 2017 auf die W3-Professur für Aromaund Geruchsforschung berufen wurde. Seit 2017 ist sie zudem stellvertretende Institutsleiterin des Fraunhofer IVV.

Prof. Dr.-Ing. Joachim Hornegger

»Künstliche Intelligenz und die natürlichen Sinne, der menschliche Geist – das ist eine hervorragende Kombination. Der Dialog, der in diesem Bereich an der FAU zwischen den Fakultäten schon bisher wissenschaftlich vernetzt geführt wird, findet seine Fortsetzung und weitere Ausgestaltung in der offenen Werkstatt des Campus der Sinne. Gestalten wir also den »Sinneswandel!«

Prof. Dr.-Ing. Joachim Hornegger studierte Informatik mit Nebenfach Mathematik an der FAU und promovierte 1996 mit einer Arbeit zur statistischen Objektmodellierung und -erkennung. Nach einem Aufenthalt als Gastwissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.) und am Computer Science Department der Stanford University wechselte er in die Industrie. Später übernahm er den Lehrstuhl für Mustererkennung an der FAU und wurde als »Medizintechniker« Zweitmitglied der Medizinischen Fakultät der FAU. Seit dem 1. April 2015 ist er Präsident der FAU.

PD Dr. techn. habil. Stefan J. Rupitsch

»Ein bedeutendes Ziel der Sensorik ist die Nachahmung der fünf menschlichen Sinne Hören, Riechen, Schmecken, Sehen und Tasten. In einigen Bereichen sind handelsübliche Sensoren den menschlichen Sinnen bereits überlegen. Viele für uns selbstverständliche Wahrnehmungen lassen sich allerdings selbst mit modernsten Sensoren nur bedingt nachbilden und stellen die Wissenschaft deshalb vor große Herausforderungen.«

PD Dr. techn. habil. Stefan J. Rupitsch studierte Mechatronik an der Johannes Kepler Universität Linz und promovierte dort im Bereich der akustischen Mikroskopie. Seit Dezember 2008 forscht und lehrt er an der FAU am Lehrstuhl für Sensorik. Er habilitierte sich im Fachgebiet Elektrische Messtechnik und Sensorik. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen u. a. elektromechanische Sensoren und Aktoren, Energy-Harvesting-Systeme sowie ultraschallbasierte Diagnose- und Therapieverfahren.

 

Moderation: Dr. Julia M. Jonas

Dr. Julia M. Jonas ist Senior Researcher an der FAU. Am Institut für Wirtschaftsinformatik beschäftigt sie sich in Forschung, Lehre und Projekten mit dem Innovieren in Servicesystemen, über Disziplinen und Unternehmensgrenzen hinweg.

16:00 Uhr Digitale Sinnlichkeit: Leitplanken für einen neuen Gestaltungsprozess

Dr. Dr. Albrecht Fritzsche, Wirtschaftsinformatik 1, FAU

Die moderne Technik rückt immer näher an den Menschen heran, bis hin zur Erfassung und Beeinflussung seiner individuellen Sinneserfahrungen. Dadurch ergeben sich enorme Möglichkeiten für Innovationen, die den Arbeitsalltag einfacher machen und die Lebensqualität erhöhen. Aber was bedeutet diese Entwicklung für den Menschen selbst? Was bleibt von uns übrig, wenn alles, was wir hören, sehen, fühlen, riechen und schmecken, auf bewussten Designvorgängen beruht?

Der Vortrag begibt sich auf Spurensuche in der Philosophie, um diese Fragen zu präzisieren. Dabei werden verschiedene Diskussionslinien im Nachdenken über Technik deutlich, die zur Orientierung für die weitere Gestaltung von Sinneserfahrung in den Ingenieurswissenschaften dienen können.

 

16:45 Uhr Das riecht aber gut! – Wie werden Gerüche wahrgenommen?

Prof. Dr. Jessica Freiherr, Fraunhofer IVV, Freising, und Uniklinik RWTH, Aachen

Der menschliche Geruchssinn wird nicht selten unterschätzt, er hat jedoch eine wichtige Funktion für den Genuss von Speisen und Getränken, als Warnsystem, aber auch während der zwischenmenschlichen Kommunikation. Wie funktioniert unser Geruchssinn? Wie nehmen wir Gerüche wahr? Welche weiteren Sinneseindrücke beeinflussen das Riechen?

Im Vortrag werden anatomische und physiologische Grundlagen des Riechens gekoppelt mit der Vorstellung verschiedener olfaktorischer Wahrnehmungsphänomene. Es wird vermittelt, welchen Einfluss die Sprache auf unsere Geruchswahrnehmung hat und wie stark das Riechen mit Emotionen verbunden ist.


Ziel des Vortrags ist es, die Wahrnehmung und Verarbeitung von Sinneseindrücken am Beispiel der Gerüche für die Ingeni- eurwissenschaft greifbar zu machen und damit eine mögliche Digitalisierung von Sinneseindrücken anzubahnen.

 

17:30 Uhr Ich höre was, was Du nicht hörst!

Prof. Dr.-Ing. Bernd Edler, International Audio Laboratories Erlangen (AudioLabs)


Durch unser Gehör sind wir in der Lage, Töne mit einem sehr großen Lautstärke- und Tonhöhenumfang wahrzunehmen. Dazu trägt der spezielle Aufbau des Innenohrs bei, welches
Schallschwingungen in neuronale Aktivitäten umwandelt. Dessen Funktion wurde in den vergangenen Jahrzehnten mit unterschiedlichem Detailgrad für die verschiedensten Zwecke durch Modelle nachgebildet. Neben Hörhilfen und -prothesen gehört die wahrnehmungsbasierte Audiocodierung zu den prominen- testen Anwendungen.

Im Vortrag werden die Funktionsweise des Innenohrs und Modellierungsansätze aufgezeigt. Durch Hörbeispiele werden spezielle Phänomene, wie z.B. der Maskierungseffekt, demonstriert. Zum Abschluss wird auch auf die weitergehende neuronale Verarbeitung eingegangen.

18:15 Uhr Imbiss